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Ausgangspunkt der vorliegenden empirischen Untersuchung ist zum einen die Frage,
warum nach einem rückläufigen Trend bis 1998 die Studierneigung sächsischer
Abiturienten wieder angestiegen ist und zum anderen die Frage, warum sich seit
1996 wieder mehr sächsische Abiturienten für das Ingenieurstudium interessieren.
Diese Entwicklung wird anhand der Humankapital- und Werterwartungstheorie zu
erklären versucht. Im Vordergrund stehen dabei die Mechanismen, die letztlich
zur Entscheidung für oder gegen ein Studium oder ein bestimmtes Studienfach
führen. Demnach hängt die Studierneigung eines Individuums vom antizipierten
Nutzen eines Studiums, von den erwarteten Kosten und der subjektiv
eingeschätzten Wahrscheinlichkeit, aufgrund eigener schulischer Leistungen
erfolgreich studieren zu können, ab. Jedoch tendieren Individuen aus niedrigen
Sozialschichten im Unterschied zu Angehörigen höherer Sozialschichten nach
Erwerb der Studienberechtigung dazu, den Nutzen von höherer Bildung zu
unterschätzen und gleichzeitig die Kosten für Investitionen in höhere Bildung zu
überschätzen. Daraus wird die These abgeleitet, dass Veränderungen in der
Studierneigung und der Studienfachwahl von herkunfts- und
geschlechtsspezifischen Verschiebungen in der Kosten-Nutzen-Relation eines
Studiums abhängen. Diese Verschiebungen ergeben sich aus der Beurteilung der
wirtschaftlichen Entwicklung und Arbeitsmarktsituation. Die Wahl des
Ingenieurstudiums hängt vornehmlich von der individuellen Einkommensmaximierung
ab. Die zweite These lautet deswegen: Je wichtiger die Verdienstmöglichkeiten
sind, umso eher wählen studierwillige Abiturienten das Ingenieurstudium. Für die
empirische Überprüfung dieser beiden Thesen werden Querschnittsinformationen
über sächsische Abiturienten in den Abschlussjahrgängen 1996, 1998 und 2000
herangezogen. Bei Kontrolle der sozialen Herkunft und Geschlecht dieser
befragten Abiturienten bestätigen die empirischen Befunde die angeführten
Thesen. Ausschlaggebend für die Studierwilligkeit ist die subjektive
Einschätzung der beruflichen Verwertbarkeit eines Studiums. Offensichtlich
lassen sich einerseits Abiturienten aus unteren und zunehmend auch aus mittleren
Sozialschichten und andererseits Abiturientinnen wegen ungünstiger
Arbeitsmarktentwicklungen vom Studium abschrecken. Bei günstigen
Arbeitsmarktsituationen streben sie wieder ein Studium an und wählen dabei
oftmals auch das Ingenieurstudium. Nur bei Abiturienten aus höheren
Sozialschichten ist die traditionell hohe Studierneigung weitgehend unabhängig
von wirtschaftlichen Konjunkturen. |
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Vollständiger Text
54 Seiten
Bestell-Nr.:
FS I 00-210
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