Projektbeschreibung
1. Kontext / Problemlage
Das Projekt schließt an die Forschung zur Regulierung flexibler
Erwerbsarbeitszeiten an. Ausgangspunkt ist die zunehmende
Veränderung der Lage und Verteilung der individuellen
Arbeitszeiten in Abstimmung mit marktlichen Anforderungen.
Stichworte sind die Ausweitung der Betriebszeiten,
Nachfrageschwankungen, Kundennähe und Kostensenkung. Mit der
Einführung von Langzeitkonten findet eine Erweiterung der
Zeitkontierung in dreierlei Hinsicht statt. Erstens kann ein
langfristiger Ausgleich stattfinden. Das eröffnet prinzipiell
neue Optionen für Betriebe und Mitarbeiter und wirft zugleich
Fragen nach der Ausgewogenheit und Selektivität solcher Optionen
auf. Zweitens wird die Balance von Erwerbsarbeit und
außerberuflichen Tätigkeiten um die biographische Dimension
erweitert. Damit stellt sich die Frage nach den Wechselwirkungen
zwischen biographischer und alltäglicher Lebensführung. Drittens
ergeben sich neue Anforderungen an Zeitorganisation und
individuelles Zeithandeln (Zeitkompetenz).
2. Fragestellung
Das Projekt behandelt vier Fragenkomplexe:
- Ziele von Langzeitkonten: Was sind die grundlegenden
Zielsetzungen von Langzeitkonten? Wie sind sie in die
betriebliche Personalpolitik eingebettet? Welchen Bezug
haben sie zu sozialstaatlichen Reformprozessen?
- Praxis von Langzeitkonten: Welche Anspar- und
Entnahmeregeln bestehen? Welche Entgelt- und
Zeitbestandteile können eingebracht werden? Wie sieht die
Prozess- und Konfliktregelung aus?
- Nutzung von Langzeitkonten: Wie sehen Nutzungsinteressen
und Nutzungsverhalten der Beschäftigten aus? In welchem
Verhältnis stehen Betriebs- und Beschäftigteninteressen?
Welche fördernden und hemmenden Faktoren der individuellen
Nutzung lassen sich identifizieren? Welche Lernprozesse gibt
es?
- Selektivität von Langzeitkonten: Wie werden
Langzeitkonten von verschiedenen Beschäftigtengruppen
genutzt? Welche Rolle spielen Unterschiede bezüglich Geschlecht,
Alter, Qualifikations- und Einkommensniveau,
Lebensorganisation und Lebensplanung?
3. Untersuchungsmethoden
Bei dem Projekt handelt es sich um ein theoretisch angeleitetes,
empirisch-exploratives Projekt, das die folgenden qualitativen
und quantitativen Instrumente verbindet:
- Eine bundesweite repräsentative Unternehmensbefragung in
Zusammenarbeit mit der Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs).
- Betriebsfallstudien in acht Betrieben mit Variationen
nach Betriebsgröße, Branche, Einführungszeitpunkt und
Nutzungsmustern der Langzeitkonten (jeweils ca. zwölf
Experteninterviews).
- Eine repräsentative Beschäftigtenbefragung in einem oder
zwei Betrieben mittels Fragebogen.
- Narrative Interviews mit ausgewählten Beschäftigten.