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Bildung, Arbeit und LebenschancenArbeitsmarktpolitik und Beschäftigung

Bildung, Arbeit und Lebenschancen

Abteilung Arbeitsmarktpolitik und Beschäftigung





Qualifikationsbedarf in den Ländern der OECD - Ermittlung, Analysen und Implementation


 

Projekt: Determinanten betrieblicher Weiterbildung

Ansprechpartner: Ralf Mytzek

Die betriebliche Weiterbildung in Deutschland nimmt im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nur einen mittleren Platz ein. So lag 1999 laut der europäischen Weiterbildungsbefragung (CVTS2) die Chance eines Arbeitnehmers in Deutschland, an einer betrieblichen Lehrveranstaltung teilzunehmen, bei 36%, was den drittniedrigsten Wert aller damaligen EU-Mitgliedsländer darstellte. Zum Vergleich lagen die Teilnahmequoten in Schweden bei 63% (höchster Wert) und in Großbritannien bei 51% (Grünewald u.a 2003). Auf der Individualebene wird dieses Länderranking von Daten des European Labour Force Survey (ELFS) bestätigt: in den 4 Wochen vor der Befragung im Jahre 1999 nahmen in Deutschland 5,5% der Beschäftigen an beruflicher Aus- oder Weiterbildung teil, in Schweden waren es 25,8% und in Großbritannien 19,2% (Quelle: NewCronos). Die zentrale Forschungsfrage, die im Projekt untersucht wird, lautet: Wodurch lässt sich die im Vergleich zu Schweden, Großbritannien und Dänemark geringere betriebliche Weiterbildungsaktivität in Deutschland erklären?

Als Datenbasis dienen die nationalen Mikrodaten der Länder Deutschland, Dänemark, Schweden und Großbritannien der europäischen Unternehmensbefragung (CVTS2 von 1999) sowie ergänzend Unternehmensumfragen. Als Kontextinformationen zur Situation auf der Angebotsseite werden das European Labour Force Survey (ELSF) bzw. der Mikrozensus (MZ) und die British Labour Force Survey herangezogen. Zur Vertiefung von wichtigen Aspekten und Überprüfung von Hypothesen sind abschließende Experteninterviews geplant, die als komplementäre Ergänzung zu den deskriptiven und analytischen quantitativen Verfahren dienen.

Anhand der Daten ist zunächst zu prüfen, ob in allen drei Vergleichsländern Faktoren wie Produktinnovationen, Veränderungen in der Arbeitsorganisation oder Qualifikationslücken in der Belegschaft signifikante Erklärungskraft für betriebliche Weiterbildung haben. Es ist zu klären, ob statistische Divergenzen erste Hinweise zur Erklärung der Unterschiede in den betrieblichen Weiterbildungsaktivitäten liefern. Des weiteren sind anhand der CVTS-Daten und anderer Datensätze, soweit möglich, die oben genannten institutionellen, ökonomischen und individuellen Faktoren zu untersuchen.

Drei Erklärungssätze sollen überprüft werden: Erstens der Einfluss der Kosten für betriebliche Weiterbildung und eventuelle staatliche Zuschüsse und Unterstützungen auf die betriebliche Weiterbildungsaktivität. Die Hypothese ist, dass die Kosten für Weiterbildung das eingangs präsentierte Länderranking nicht hinreichend erklären können. Zweitens soll der Einfluss der Erstausbildung auf betriebliche Weiterbildung untersucht werden. Hier ist die Hypothese, dass Betriebe, denen die finanziellen Aufwendungen für betriebliche Ausbildung hoch erscheinen, weniger bereit sind, in betriebliche Weiterbildung zu investieren. Drittens könnte der Grund für die unterschiedlichen betrieblichen Weiterbildungsaktivitäten im Weiterbildungssystem liegen. Die Hypothese ist, dass die Konzentration im deutschen Weiterbildungssystem auf Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitslose und Regulierungen der Fachkräftefort- und Weiterbildungen zu geringerer betrieblicher Weiterbildungsaktivität führen. Das Projektergebnis soll nicht nur die wahrscheinlichen Gründe für die geringe betriebliche Weiterbildungsaktivität in Deutschland darstellen, sondern auch, besonders auf Basis des Ländervergleichs, mögliche Auswege aus der deutschen „Weiterbildungslücke“ aufzeigen und diskutieren.

 





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