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Der Qualifikationsstrukturbericht kann beim Bundesministerium für Bildung und Forschung bezogen werden, Email: information@bmbf.bund.de.
Zusammenfassung
In diesem Beitrag werden zentrale Bereiche, die im Zusammenhang mit der zukünftigen Qualifikationsstruktur stehen, im internationalen Vergleich untersucht. Die zunehmende Bedeutung der Qualifikationsstruktur wird als wichtiger Wirtschaftsfaktor in den einzelnen Ländern erkannt. Entsprechende Anstrengungen der jeweiligen nationalen Akteure zur Erhebung des Qualifikationsbedarfs wie zu der Umsetzung der Ergebnisse in die nationalen Bildungssysteme wurden in der vergangenen Dekade intensiviert. Beispielhaft können hier die Niederlande genannt werden, die seit über zehn Jahren erhebliche Ressourcen für Qualifikationsprognosen sowie deren Weiterentwicklung aufwenden. Die Flexibilität des niederländischen Berufsbildungssystems, das auf die Kombination von Verhandlung und starker regionaler Autonomie zurückgeht und eine rasche Umsetzung des erkannten Qualifikationsbedarfs erlaubt, enthält die wesentlichen Elemente einer europäischen "Benchmark" der Früherkennung.
Wie der internationale Vergleich auch zeigt, sind die Verfahren zur Erhebung von Qualifikationsbedarf, obwohl sie auf einer gemeinsamen Grundstruktur basieren, in den ausgewählten Ländern unterschiedlich angelegt. Während in Irland und den Niederlanden mittelfristige Prognosen über einen Zeitraum von fünf Jahren erstellt werden, die individuelle Bildungsentscheidungen erleichtern können, erfolgen in den USA und der Bundesrepublik Langfristprognosen über einen Zeitraum von zehn bzw. fünfzehn Jahren. Die irische Analyse berücksichtigt ferner eine geschlechtsspezifische Qualifikationsbetrachtung. Die Prognoseergebnisse der einzelnen Länder können in ihrer quantitativen Größe nur eingeschränkt verglichen werden. Es lassen sich dabei gemeinsame Trends wie auch wesentliche Unterschiede herausstellen. So wird in allen ausgewählten Ländern eine starke Erhöhung des allgemeinen Qualifikationsniveaus prognostiziert, jedoch zeigt sich bei den Niedrigqualifizierten im Ländervergleich eine heterogene Struktur. Berufe im Bereich der Informationstechnologie haben erwartungsgemäß die besten Zukunftsaussichten, wobei in allen Ländern mittelfristig zu erwarten ist, dass unter Berücksichtigung der derzeitigen bildungspolitischen Rahmenbedingungen und demographischen Entwicklungen der zukünftige Bedarf mit inländischem Fachpersonal nicht gedeckt werden kann.
Noch deutlicher sind die Unterschiede zwischen den Ländern bei der
Umsetzung des erkannten Qualifikationsbedarfs in die nationalen Bildungssysteme. In den Niederlanden und der Bundesrepublik beispielsweise spielt die Einbeziehung der Sozialpartner eine entscheidende Rolle. Auch in Frankreich sind neben dem Staat Vertreter der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite am Prozess zur Erarbeitung der Berufsbildungsordnung beteiligt. Anders als in der Bundesrepublik jedoch, wo den Akteuren die Funktion von Verhandlungspartnern zukommt, werden die Sozialpartner in Frankreich lediglich konsultiert.
Auch die Beteiligungsmöglichkeiten der Arbeitnehmervertreter bei der Früherkennung von Qualifikationsbedarf auf betrieblicher Ebene sind in den untersuchten Länder unterschiedlich angelegt. In Frankreich und in Finnland beispielsweise verfügen die Arbeitnehmervertretungen über gesetzliche Beteiligungsrechte, die ein Recht auf frühzeitige Information sowie ein Anhörungsrecht beinhalten. So muss in Frankreich die Belegschaftsvertretung in die jährliche Beratung über die Entwicklung der Beschäftigung und der Qualifikationen mit einbezogen werden. In Großbritannien und Schweden sind hingegen die Beteiligungsmodelle eher tarifvertraglich verankert. Im schwedischen Modell haben Arbeitgeber die Pflicht, hinsichtlich des zukünftigen Qualifikationsbedarfs gemeinsam mit den Belegschaftsvertretern ein entsprechendes Bildungsprogramm zu erstellen.
Beim Fachkräftemangel in kleinen und mittelständischen Unternehmen handelt es sich um ein internationales Phänomen. Aber auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede in den untersuchten Ländern. So stellen in den USA mangelnde Grundkenntnisse der Arbeitskräfte für die Unternehmen größere Qualifikationsdefizite dar als beispielsweise ungenügende EDV-Kenntnisse. Dagegen weisen Studien in der EU darauf hin, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Informationstechnologien und einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften existiert. Auch die Betriebsgröße lässt keine eindeutigen Rückschlüsse auf eventuelle Probleme bei der Stellenbesetzung zu. Während sich beispielsweise in der Bundesrepublik und den USA das Problem der Stellenbesetzung mit abnehmender Betriebsgröße zuspitzt, sind in Österreich und Belgien Kleinstbetriebe mit weniger als fünf Mitarbeitern weniger vom Fachkräftemangel betroffen als Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern.
Abschließend kann festgehalten werden, dass die Analyse der Qualifikationsstruktur und deren Bestimmungsgründe in allen betrachteten Ländern an Bedeutung gewinnen. Dies äußert sich nicht zuletzt in zahlreichen Initiativen. Auch die spezifische Betrachtung betrieblicher Weiterbildungsaktivitäten und die Fokussierung auf kleine und mittlere Unternehmen gewinnt im internationalen Kontext an Bedeutung. Während klare gemeinsame Trends in der Qualifikationsstruktur zu beobachten sind zeigen sich sowohl bezogen auf spezifische Qualifikationen, als auch bei der Betrachtung der institutionellen Rahmenbedingungen und der Implementation ausgeprägt heterogene Strukturen, die eine Betrachtung dieser Aspekte im jeweiligen nationalen Kontext erfordern.
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