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Bearbeitung:
Dr. phil. Jan Delhey
Kontakt:
030/25491-383, e-mail: delhey@medea.wzb.eu
Inhalt:
Der unerwartete politische und wirtschaftliche Umbruch in Osteuropa
hat auch die gesellschaftliche Schichtung und die soziale Ungleichheit
drastisch verändert. Der Systemwechsel hat zu großer Unzufriedenheit
über die zunehmende soziale Ungleichheit in der Bevölkerung in allen
Transformationsgesellschaften geführt. Doch trotz dieser
Unzufriedenheit gibt es nur bei einer Minderheit den Wunsch nach einem
„Zurück“ zum Sozialismus. Dies sind zentrale Ergebnisse des
Dissertationsprojekts „Osteuropa zwischen Marx und Markt. Soziale
Ungleichheit und soziales Bewusstsein nach dem Kommunismus“.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Wechselwirkungen zwischen
der Systemtransformation und den Ungleichheits- und
Gerechtigkeitseinstellungen der Bürger. Deren Bereitschaft, die
politischen, wirtschaftlichen und sozialen Neuerungen mitzutragen, ist
eine wichtige Rahmenbedingung für eine erfolgreiche nachholende
Modernisierung. Mit Daten vornehmlich des International Social Survey
Programme (ISSP) von 1987 und 1992 wurde der Wandel sozialer
Ungleichheit und die Dynamik der entsprechenden Einstellungen der
Bevölkerung in sieben Reformstaaten Osteuropas untersucht: in
Bulgarien, Polen, Slowenien, der Slowakei, Tschechien, Ungarn und
Ostdeutschland. Die Untersuchung hat vier Vergleichsebenen: 1.
Einstellungswandel im Zuge des Systemwechsels, 2. Vergleich der
Transformationsländer, 3. Ost-West-Vergleich und 4.
innergesellschaftlicher Konsens in den Transformationsländern.
Ein einheitliches postsozialistisches Einstellungsmuster besteht
insbesondere in den großen Erwartungen an den Staat, Ungleichheit
abzubauen und soziale Leistungen zu erbringen – diese Erwartungen sind
nach wie vor höher als in Westeuropa oder der angelsächsischen Neuen
Welt. Eine Ausnahme sind die Modernisierungsgewinner und
Bildungseliten in den Transformationsgesellschaften, die deutlich mehr
„Markt“ wollen als die staatsorientierten mittleren und unteren
Bildungsschichten. Dies ist ein Indiz für die zu beobachtende
Abkopplung der Transformationseliten von der Masse der Bevölkerung.
Weitgehend parallel zur Unterstützung des Systemwechsels insgesamt
finden sich in Tschechien eher affirmative Einstellungen gegenüber
Schichtung und Ungleichheit, in Bulgarien sehr kritische. Ein
Zusammenhang besteht hier mit der sozialen und wirtschaftlichen
Entwicklung nach 1989 einerseits, und der Modernisierungsbilanz des
sozialistischen Regimes andererseits. Die Einstellungen der
Ostdeutschen werden erkennbar durch die Vereinigung beeinflusst, mal
mit positiver Wirkung (Beispiel Wohlfahrtsentwicklung), mal mit
negativer (Beispiel Verteilungskonflikte zwischen West- und
Ostdeutschland). Im internationalen Vergleich sind sich die Deutschen
in Ost und West in ihren Haltungen zu Ungleichheit und Gerechtigkeit
aber durchaus ähnlich – ähnlicher, als die vielen rein
deutsch-deutschen Vergleiche vermuten lassen, die primär die
Unterschiede betonen.
Zeitraum:
1999-2001
Methodische Vorgehensweise:
Sekundäranalyse von repräsentativen Bevölkerungsumfragen (ISSP,
Wohlfahrtssurvey, Neues Demokratien Barometer); Querschnitt,
Trendanalysen.
Veröffentlichungen:
Jan Delhey (2001): Osteuropa zwischen Marx und Markt. Soziale
Ungleichheit und soziales Bewußtsein nach dem Kommunismus. Hamburg,
Krämer-Verlag, Reihe Beiträge zur Osteuropaforschung, Band 4.
Jan Delhey/Verena Tobsch (2000): Freiheit oder Wohlstand?
Regimeperformanz und Demokratiezufriedenheit in Ostdeutschland und
Ungarn. In: Berliner Debatte Initial, Heft 5/6, 2000, S. 33-46 (auch
erschienen in: Schluchter, Wolfgang/Quint, Peter E. (Hg.): Der
Vereinigungsschock. Vergleichende Betrachtungen zehn Jahre danach.
Weilerswist, Velbrück Wissenschaft, 2001, S. 437-460.).
Jan Delhey (1997): Farewell to Marx? Opinions on Inequality
in Postcommunist Countries. In: Los-Nowak, Teresa/Armstrong, David
(Hg.): Emerging Conceptions of Democracy in Transition Europe. Wroclaw
1997, S. 73-90. |
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