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Beendete ForschungsprogrammeSozialstruktur und Sozialberichterstattung

Beendete Forschungsprogramme

Abteilung Sozialstruktur und Sozialberichterstattung





Osteuropa zwischen Marx und Markt. Soziale Ungleichheit und soziales Bewusstsein in postsozialistischen Transformationsländern (Dissertation)
(Diese Abteilung beendete ihre Arbeit Ende Dezember 2002)

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Bearbeitung:

Dr. phil. Jan Delhey

Kontakt:

030/25491-383, e-mail: delhey@medea.wzb.eu

Inhalt:

Der unerwartete politische und wirtschaftliche Umbruch in Osteuropa hat auch die gesellschaftliche Schichtung und die soziale Ungleichheit drastisch verändert. Der Systemwechsel hat zu großer Unzufriedenheit über die zunehmende soziale Ungleichheit in der Bevölkerung in allen Transformationsgesellschaften geführt. Doch trotz dieser Unzufriedenheit gibt es nur bei einer Minderheit den Wunsch nach einem „Zurück“ zum Sozialismus. Dies sind zentrale Ergebnisse des Dissertationsprojekts „Osteuropa zwischen Marx und Markt. Soziale Ungleichheit und soziales Bewusstsein nach dem Kommunismus“.

Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Wechselwirkungen zwischen der Systemtransformation und den Ungleichheits- und Gerechtigkeitseinstellungen der Bürger. Deren Bereitschaft, die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Neuerungen mitzutragen, ist eine wichtige Rahmenbedingung für eine erfolgreiche nachholende Modernisierung. Mit Daten vornehmlich des International Social Survey Programme (ISSP) von 1987 und 1992 wurde der Wandel sozialer Ungleichheit und die Dynamik der entsprechenden Einstellungen der Bevölkerung in sieben Reformstaaten Osteuropas untersucht: in Bulgarien, Polen, Slowenien, der Slowakei, Tschechien, Ungarn und Ostdeutschland. Die Untersuchung hat vier Vergleichsebenen: 1. Einstellungswandel im Zuge des Systemwechsels, 2. Vergleich der Transformationsländer, 3. Ost-West-Vergleich und 4. innergesellschaftlicher Konsens in den Transformationsländern.

Ein einheitliches postsozialistisches Einstellungsmuster besteht insbesondere in den großen Erwartungen an den Staat, Ungleichheit abzubauen und soziale Leistungen zu erbringen – diese Erwartungen sind nach wie vor höher als in Westeuropa oder der angelsächsischen Neuen Welt. Eine Ausnahme sind die Modernisierungsgewinner und Bildungseliten in den Transformationsgesellschaften, die deutlich mehr „Markt“ wollen als die staatsorientierten mittleren und unteren Bildungsschichten. Dies ist ein Indiz für die zu beobachtende Abkopplung der Transformationseliten von der Masse der Bevölkerung. Weitgehend parallel zur Unterstützung des Systemwechsels insgesamt finden sich in Tschechien eher affirmative Einstellungen gegenüber Schichtung und Ungleichheit, in Bulgarien sehr kritische. Ein Zusammenhang besteht hier mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung nach 1989 einerseits, und der Modernisierungsbilanz des sozialistischen Regimes andererseits. Die Einstellungen der Ostdeutschen werden erkennbar durch die Vereinigung beeinflusst, mal mit positiver Wirkung (Beispiel Wohlfahrtsentwicklung), mal mit negativer (Beispiel Verteilungskonflikte zwischen West- und Ostdeutschland). Im internationalen Vergleich sind sich die Deutschen in Ost und West in ihren Haltungen zu Ungleichheit und Gerechtigkeit aber durchaus ähnlich – ähnlicher, als die vielen rein deutsch-deutschen Vergleiche vermuten lassen, die primär die Unterschiede betonen.

Zeitraum:

1999-2001

Methodische Vorgehensweise:

 Sekundäranalyse von repräsentativen Bevölkerungsumfragen (ISSP, Wohlfahrtssurvey, Neues Demokratien Barometer); Querschnitt, Trendanalysen.

Veröffentlichungen:

Jan Delhey (2001): Osteuropa zwischen Marx und Markt. Soziale Ungleichheit und soziales Bewußtsein nach dem Kommunismus. Hamburg, Krämer-Verlag, Reihe Beiträge zur Osteuropaforschung, Band 4.

Jan Delhey/Verena Tobsch (2000): Freiheit oder Wohlstand? Regimeperformanz und Demokratiezufriedenheit in Ostdeutschland und Ungarn. In: Berliner Debatte Initial, Heft 5/6, 2000, S. 33-46 (auch erschienen in: Schluchter, Wolfgang/Quint, Peter E. (Hg.): Der Vereinigungsschock. Vergleichende Betrachtungen zehn Jahre danach. Weilerswist, Velbrück Wissenschaft, 2001, S. 437-460.).

 Jan Delhey (1997): Farewell to Marx? Opinions on Inequality in Postcommunist Countries. In: Los-Nowak, Teresa/Armstrong, David (Hg.): Emerging Conceptions of Democracy in Transition Europe. Wroclaw 1997, S. 73-90. 



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Letzte Änderung: 2002-08-07 17:04