|
Grundlagen
Die Abteilung „Sozialstruktur und
Sozialberichterstattung“ hat einen grundlagenwissenschaftlichen
Schwerpunkt in der Analyse des sozialstrukturellen Wandels
moderner Gesellschaften. Sie hat einen anwendungsorientierten
Schwerpunkt in der Sozialberichterstattung. Unter Sozialstruktur
wird auf der Individual-Ebene die demographische Grundgliederung
der Bevölkerung sowie ihre Gliederung bezüglich hoch bewerteter,
knapper Güter wie Erwerbspositionen, Einkommen, Prestige und
Einfluss verstanden. Auf einer zweiten, einer Meso-Ebene, lässt
sich Sozialstruktur bestimmen als das System sozialer Klassen
und Schichten, operationalisiert als System von sozialen Lagen,
und seinen gegenwärtigen Differenzierungstendenzen in Richtung
auf eine Pluralisierung von sozialen Milieus, Lebensformen und
Lebensstilen. Auf einer dritten, der Makro-Ebene, lässt sich
Sozialstruktur als System von politischen, ökonomischen und
kulturellen Basisinstitutionen begreifen, mit den Problemen der
Systemintegration und der sozialen Integration.
Die Abteilung besteht in ihrer jetzigen Form
und Ausrichtung seit 1994. Sie setzte seit ihrer Gründung das
Forschungsprogramm in erweitertem Umfang fort, das zuvor von der
Arbeitsgruppe „Sozialberichterstattung“ durchgeführt wurde. Seit
dem Bestehen der Abteilung wurde eine deutlichere Akzentuierung
im Hinblick auf sozialstrukturelle Veränderungen vorgenommen,
wobei im Berichtszeitraum diesbezügliche europäische Vergleiche
verstärkt wurden.
Theoretische Ansätze
Den theoretischen Rahmen bilden Konzepte der
Modernisierung und der Wohlfahrtsproduktion. Modernisierung wird
als die durchaus konflikthafte Weiterentwicklung komplexer
Gesellschaften verstanden, die auf alternativen Pfaden verlaufen
kann, aber in den Basisinstitutionen von Konkurrenzdemokratie,
Marktwirtschaft, Wohlfahrtsstaat und Massenkonsum eine
gemeinsame Klammer hat. In dieser Perspektive wird die
Transformation, z.B. der postkommunistischen Gesellschaften, als
Systemwechsel und nachholende Modernisierung betrachtet, die
sich jedoch eigene Entwicklungspfade suchen kann. Unter
Wohlfahrtsproduktion werden die spezifischen und die
kombinierten Leistungen von Staat, Markt, Assoziationen (z.B.
Dritter Sektor) und Kleingruppen (z.B. Haushalte) verstanden.
Die Aufgaben der Sozialberichterstattung sind
die Dauerbeobachtung des sozialstrukturellen Wandels und der
Wohlfahrtsentwicklung. Dabei wird die Wohlfahrtsentwicklung als
eine Teilmenge von Prozessen des sozialen Wandels verstanden,
die explizit an gesellschaftlich hoch bewerteten Zielen (wie z.B.
Gesundheit, gesunde Umwelt, hohe Beschäftigung) ausgerichtet
sind. Moderne Gesellschaften zeichnen sich jedoch auch dadurch
aus, dass sie ihren Bürgern gleiche Chancen im Hinblick auf
immaterielle Dimensionen der Zugehörigkeit und
Selbstverwirklichung bieten. Wohlfahrt umfasst als Oberbegriff
drei Dimensionen. „Objektive Lebensbedingungen“, z. B. in den
Bereichen Wohnen, Arbeit, Einkommen, Gesundheit, aber auch
Freizeit, Sozialbeziehungen, gesellschaftliche Partizipation.
„Subjektives Wohlbefinden“ hat positive und negative
Komponenten; Zufriedenheiten und Glück, aber auch Ängste und
Sorgen, Anomie, Pessimismus. Die dritte Dimension zielt auf die
„Qualität der Gesellschaft“ im Aggregat und in den individuellen
Bewertungen der Bürger.
|