Leitung:
Zapf, Wolfgang, Prof.Dr.
Bearbeitung durch:
Habich, Roland, Dr.; Bulmahn, Thomas, Dipl.-Soz.; Böhnke, Petra,
Dipl.-Soz.; Delhey, Jan, Dr.; Hinrichs, Wilhelm, Dr.; Priller,
Eckhard, Dr.sc.
Kontakt:
Habich, Roland (Tel. 030-25491-300 E-mail: rhabich@medea.wzb.eu
Inhaltsbeschreibung:
Die Dauerbeobachtung des sozialen Wandels und der
Wohlfahrtsent-wicklung im vereinten Deutschland und im europäischen
Vergleich ist das zentrale Projekt der Abteilung „Sozialstruktur und
Sozialberichterstattung“. Die wichtigsten Ergebnisse zur
„Wohlfahrtsentwicklung im vereinten Deutschland“ basieren auf Analysen
der Wohlfahrts-surveys und des SOEP, greifen jedoch auch auf Daten der
amtlichen Statistik zurück.
Die Bilanz der Abteilung „Sozialstruktur und
Sozialberichterstattung“ im Hinblick auf die Wohlfahrtsentwicklung im
vereinten Deutschland fällt alles in allem positiv aus. Mit
Indika-toren der objektiven Lebensbedingungen und des subjektiven
Wohlbefindens wird gezeigt, daß es insgesamt eine deutliche
Verbesserung gegeben hat, wenngleich der Abstand zu West-deutschland
noch erheblich ist. Die objektiven Lebensbedingungen der Ostdeutschen
haben sich grundlegend positiv verändert. Der Abstand zu
Westdeutschland hat sich deutlich verrin-gert, ohne allerdings in
allen Dimensionen das westliche Niveau zu erreichen. Die Bilanz hier
ist: Die Angleichung hat weitgehend stattgefunden, die noch
vorhandenen Unterschiede wer-den schwierig abzubauen sein. Defizite
sind auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Der drastische Abbau von
Arbeitsplätzen hat zu einer hohen Arbeitslosigkeit geführt. Der Blick
auf die Er-werbsbeteiligung dagegen zeigt ähnliche Erwerbsquoten in
Ost und West. Dennoch sind Wohlfahrtsdefizite festzustellen, da in
Ostdeutschland die hohen Erwerbsorientierungen und -absichten
fortbestehen. Die Bilanz für die Dimension des subjektiven
Wohlbefindens ist alles in allem positiv, wenn auch zurückhaltend
positiv; die beobachtbaren Lücken werden längere Zeit weiterbestehen.
Angleichungen in materiellen Lebenslagen führen nicht immer zu einer
Angleichung in subjektiven Einschätzungen und Bewertungen.
Daß Ost-West-Unterschiede weiterbestehen, zeigt sich darin, wie
bestimmte Struktur- und Qualitätsmerkmale der Gesellschaft
wahrgenommen werden. Im Wohlfahrtssurvey 1998 wur-de erstmals erhoben,
inwieweit institutionelle Aspekte der gesellschaftlichen
Lebensqualität verwirklicht sind. Die Bürger nehmen eine Vielzahl von
Problemen wahr: Defizite bei Chan-cengleichheit und Gleichberechtigung
ebenso wie Mängel beim Schutz vor Kriminalität und bei der sozialen
Sicherheit. Selbst elementare Freiheitsrechte sehen einige als nicht
verwirk-licht an. Insgesamt wird deutlich, daß die Ostdeutschen die
gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik anders, das
heißt vor allem kritischer, beurteilen als die Westdeutschen.
Es wird dennoch davon ausgegangen, daß die deutsch-deutschen
Probleme allmählich an Be-deutung verlieren werden und daß Probleme
der „weitergehenden Modernisierung“ des ver-einten Deutschlands
innerhalb Europas an Bedeutung zunehmen werden. Die Beobachtung,
Messung und Erklärung der Wohlfahrtsentwicklung, von Integrations- und
Exklusionsprozes-sen werden deshalb in einen komparativen Rahmen
gestellt, in dem sowohl west- und osteu-ropäische Gesellschaften
einbezogen sind. Für diese komparative Betrachtungsweise werden die
Konzepte Wohlfahrt, Entwicklung, Integration und Exklusion theoretisch
bestimmt und eine empirische Operationalisierung im europäischen
Vergleich angestrebt. Beim Thema Wohlfahrtsentwicklung interessiert
neben grundlegenden objektiven und subjektiven Indika-toren die
Erklärung der Lebenszufriedenheit, die Erklärung der stabilen
internationalen Ni-veauunterschiede der Lebenszufriedenheit sowie die
Beschreibung und Erklärung von unter-schiedlichen „Wohlfahrtsmixen“,
das heißt unterschiedlichen Gewichten von staatlichen Maßnahmen,
Marktelementen, der Rolle von privaten Organisationen und der Rolle
von pri-vaten Netzwerken in der Sozialpolitik, allgemeiner der
Wohlfahrtsproduktion.
Zeitraum:
Januar 1990 - September 2002.
Methodik:
Primäranalyse von Individualdaten, Untersuchungsdesign: Querschnitt,
Zeitver-gleich.
Datenbasis:
Wohlfahrtssurvey 1993, Sowibusbeteiligung 1994, Buseinschaltung 1995,
Sowi-busbeteiligung 1996, Wohlfahrtssurvey 1998, Euromodul 1999,
Wohlfahrtssurvey Trend 2001, Sozioökonomisches Panel.
Ausgewählte Publikationen:
Böhnke, Petra, 2001: Nothing Left to Lose? Poverty and Social
Exclusion in Comparison. Empirical Evidence on Germany. Discussion
Paper FS III 01-402. Berlin: Wissenschafts-zentrum Berlin für
Sozialforschung.
Böhnke, Petra, Jan Delhey und Roland Habich, 2000: Das Euromodul -
ein neues Instrument für die europäische Wohlfahrtsforschung. In:
Informationsdienst Soziale Indikatoren (ISI) 24: 12-15.
Bulmahn, Thomas, 2000: Das vereinte Deutschland – Eine lebenswerte
Gesellschaft? Zur Bewertung von Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit
in Ost und West. In: Kölner Zeit-schrift für Soziologie und
Sozialpsychologie 3: 405-427.
Delhey, Jan, 2002: Korruption in Bewerberländern zur Europäischen
Union - Institutionen-qualität und Korruption in vergleichender
Perspektive. Discussion Paper FS III 02-401. Berlin:
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.
Habich, Roland und Heinz-Herbert Noll (Hg.), 2000a: Objektive
Lebensbedingungen und subjektives Wohlbefinden im vereinten
Deutschland. S. 415-612 in: Statistisches Bundes-amt (Hg.):
Datenreport 1999. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik
Deutschland. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.
Hinrichs, Wilhelm, 2001: Sozialstaatliche Sicherung der
Wohnungsversorgung in Deutsch-land. S. 133-166 in: Lars-Hendrik Röller
und Christian Wey (Hg.): Die soziale Marktwirt-schaft in der neuen
Weltwirtschaft. WZB-Jahrbuch 2001. Berlin: edition sigma.
Priller, Eckhard, 1999a: Demokratieentwicklung und Mitwirkung in
Ostdeutschland. Discus-sion Paper FS III 99-410. Berlin:
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.
Spellerberg, Annette, 1996: Soziale Differenzierung durch
Lebensstile. Eine empirische Un-tersuchung zur Lebensqualität in West-
und Ostdeutschland. Berlin: edition sigma.
Noll, Heinz-Herbert und Roland Habich (Hg.), 2000: Vom
Zusammenwachsen einer Gesell-schaft - Analysen zur Angleichung der
Lebensverhältnisse in Deutschland, Frankfurt am Main: Campus Verlag.
Zapf, Wolfgang, 2000: Wie kann man die deutsche Vereinigung
bilanzieren. S. 160-174 in: Oskar Niedermayer und Bettina Westle
(Hg.): Demokratie und Partizipation. Festschrift für Max Kaase.
Opladen: Westdeutscher Verlag.
Zapf, Wolfgang und Roland Habich (Hg.), 1996: Wohlfahrtsentwicklung
im vereinten Deutschland. Sozialstruktur, sozialer Wandel und
Lebensqualität. Berlin: edition sigma. |