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Beendete ForschungsprogrammeZivilgesesellschaft und transnationale Netzwerke

Beendete Forschungsprogramme






Abteilung
Zivilgesesellschaft und transnationale Netzwerke


Die Abteilung wurde zum 30 September 2005 geschlossen


Forschungsziele


  Die Abteilung untersucht die Dynamik und die Leistungen nicht-staatlicher, kooperativer Verfahren politischer Steuerung und Konfliktbewältigung. Solche Verfahren lassen sich als Reaktion auf die begrenzte und im Zuge vor Globalisierungsprozessen womöglich weiter abnehmende Leistungsfähigkeit staatlicher Regulierung interpretieren. In ihnen spielen zivilgesellschaftliche Akteure und Netzwerke eine wichtige Rolle. Die Verfahren sind ein Versuch, Probleme der sozialen Integration und Koordination durch gesellschaftliche Selbstorganisation zu lösen, ohne sie Marktprozessen zu überlassen. Die Frage ist, unter welchen Bedingungen solche "governance without government" jenseits von Markt und Staat funktioniert, und was sie leisten kann.

Das Forschungsprogramm der Abteilung konzentriert sich auf Verfahrensaspekte (in aller Regel am Beispiel von Verfahren mit transnationalen Bezügen). Es untersucht sowohl die Binnenstrukturen der Verfahren (Kommunikations- und Kooperationsformen), als auch ihre Governance-Leistungen. Das geschieht gegenwärtig in vier Untersuchungsfeldern
  Direktor
Prof. Dr. Wolfgang van den Daele
 
  1. Konfliktregulierung im globalen Regime des geistigen Eigentums

Das Beobachtungsfeld dieses Projekts ist ein von der Projektgruppe zusammen mit dem World Business Council organisiertes Dialogverfahren , in dem sich international operierende Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen über strittige Probleme des geistigen Eigentums bei der Nutzung moderner Biotechnologie auseinandergesetzt haben. Die Untersuchungsfragen beziehen sich einerseits auf die diskursive Dynamik des Verfahrens (Wie werden Wertkonflikte unter Argumentationsdruck gerahmt/rationalisiert? Zu welchen Kooperationsformen finden Konfliktparteien, die in den öffentlichen Arenen eher auf Mobilisierung und Konfrontation setzen?). Andererseits beziehen sich die Fragen auf die policies, die im Verfahren entworfen werden (Welche Flexibilitäten - und welche Grenzen der Flexibilität - sehen die Konfliktparteien bei den Biopatenten? Welchen Grad von Politisierung/Moralisierung ihrer wirtschaftlichen Strategien akzeptieren die Global Players im Pharmabereich?)
   
  2. Umweltkooperation -zivilgesellschaftliche Problemlösungsstrategien in der Nachhaltigkeitspolitik
Das Projekt untersucht an ausgewählten Fällen die Leistungen und Grenzen zivilgesellschaftlicher Arrangements im Bereich der Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitspolitik. Gegenstand sind transnationale Verhandlungssysteme (Stakeholder-Verfahren), in denen unter Umgehung der staatlichen Ebene zwischen Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen nach Lösungen für Umweltprobleme gesucht wird, die transnationale oder globale Bedeutung haben. Beispiele für solche Umweltkooperation können etwa dem Mining and Minerals Sustainable Development Project des World Business Council entnommen werden oder den von der Weltbank geförderten Projekten der World Commission on Dams. In allen diesen Fällen sind massive politische und ökonomische Interessen im Spiel, und es treffen Akteure mit stark divergierenden Wertsystemen und Präferenzen aufeinander. Zwischen den Beteiligten bestehen erhebliche Machtasymmetrien, und in aller Regel gibt es keine Problemlösungen, die nicht Umverteilungseffekte implizieren.

Die Untersuchung solch schwieriger Fälle ist besonders geeignet, die möglichen Leistungen zivilgesellschaftlicher Verfahren für eine transnationale Governance zu präzisieren und im Verhältnis zur Steuerung staatliche Politiken (unter Einschluss internationaler Regime) einzuschätzen. Das Projekt wird nicht nur den Problemlösungsdiskurs zwischen den an den Verhandlungssystemen Beteiligten untersuchen, sondern auch die Effekte der gefundenen Lösungen "vor Ort" , also die Umsetzungsphase einbeziehen.
   
  3. Interaktionsstrukturen und Effekte von Diskursen im Internet
In diesem Projektfeld sind die Prozesse und Effekte internetbasierter öffentlicher Diskurse das Thema. Der Einsatz des Internets im Rahmen von Diskursverfahren ist zunehmend selbstverständlich und bei transnationalen Interaktionen unverzichtbar geworden. Das Projekt konzentriert sich auf moderierte Verfahren, und untersucht speziell Anwendungen einer eigens für die "Online-Mediation" entwickelten Software. Hierzu arbeiten die Mitarbeiter des Projektes mit Informatikern der Frauenhofergesellschaft zusammen (Institut für Autonome intelligente Systeme und Fokus-Institut), die sich mit der Weiterentwicklung der Software und mit E-Government beschäftigen.

Die Untersuchungen sind sozialpsychologisch ausgerichtet. Sie zielen auf die online-spezifische Interaktionsdynamik und deren Effekte. Methodisch stützen sie sich sowohl auf Feldbeobachtungen (reale Fälle von internetbasierten öffentlichen Diskursen) und experimentelle Studien.
   

4. Transnationale Städtenetzwerke in Europa
Transnationale Städtenetzwerke realisieren neue Formen politischer Governance jenseits des Nationalstaates. Die Netzwerke implizieren nicht nur einen Bedeutungszuwachs der subnationalen Ebene (Regionen, Städte), sie tangieren auch die institutionellen Arrangements auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Sie sind ein Beispiel für die Verbindung der lokalen und der globalen Steuerungsebene ("glokale Governance").

Ziel des Projekts ist es, die Leistungsfähigkeit dieser Governance-Variante und ihr Spannungsverhältnis zur Steuerung auf nationalstaatlicher und europäischer Ebene zu erklären. Zu diesem Zweck werden vier transnationale Netzwerke, die für die Politik der Nachhaltigkeit in Europa von Bedeutung sind, systematisch verglichen: Eurocities, Union of the Baltic Cities, das Klima-Bündnis und das Gemeindenetzwerk "Allianz in den Alpen". Die Untersuchungsfragen betreffen sowohl die "Binnensteuerung" als auch die "Außenpolitik" der Netzwerke. Was sind die Entstehungsgründe der Netzwerke? Über welche organisatorischen Ressourcen verfügen sie? Wie sind die Konkurrenz- bzw. Kooperationsbeziehungen zwischen den Netzwerken? In welchem Verhältnis stehen sie zu nationalstaatlichen und europäischen Institutionen? Fungieren die Staaten und die EU als Netzwerkbildner?

 


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Letzte Änderung: 2005-03-22 13:35