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Completed research programs |
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Research Unit: Civil Society and Transnational Networks |
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Die Aufschlüsselung von moralischen Konflikten im Umweltbereich: Grade der Normativierung von Natur |
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Only available in German
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Focus of research
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In diesem Vorhaben wurden
90 Interviews mit Erwachsenen aus Berlin und Leipzig zu umweltspezifischen
und interpersonellen Dilemmata ausgewertet, die im Anschluss
an Lawrence Kohlbergs Theorie der Entwicklung des moralischen
Bewusstseins
formuliert worden sind. Im Berichtszeitraum standen Geschlechtsunterschiede
im Zentrum der Untersuchung. Im Kern ging es um die Thesen von Carol
Gilligan, dass die weibliche Moral sich von der männlichen
unterscheidet, weil sie sich an Fürsorge (care) orientiert
statt an Prinzipien und Gerechtigkeit. |
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Fürsorge
bei Mann und Frau |
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In einem ersten Arbeitsschritt
wurden Probleme in der Theorie von Gilligan behandelt. So lassen sich
aus Gilligans eher literarischen Beispielen und Beschreibungen unterschiedliche
Operationalisierungen der care-Moral ableiten. Beispielsweise fasst
sie Fürsorge einerseits sehr weit als Differenz von Inhalten
(alle auf Wohlergehen gerichteten Argumente) und andererseits sehr
eng als Differenz der Form (nur Argumente, die sich formal nicht auf
Prinzipien, sondern auf Empathie und Verbundenheit gründen).
Außerdem sind die Definitionsmerkmale durch die bevorzugte Verwendung
von interpersonellenreal-life-Dilemmata zu einseitig interpersonell
ausgerichtet. So zeichnet sich die care-Moral durch Kompromisse wie
Kommunikation und Herstellen von Beziehungen aus, wobei unbeachtet
bleibt, dass Kompromisse in anderen Dilemmatypen ganz andere
Formen annehmen können.
Die in der Untersuchung empirisch nachweisbaren Geschlechtsunterschiede
lassen sich auf keine der von Gilligan vorgeschlagenen Rekonstruktionen
eindeutig abbilden. Die Unterschiede liegen weniger in der Häufigkeit
der Verwendung der Konzepte Verantwortung, Rechte oder Empathie, sondern
in Nuancen ihrer Konstruktion.
So wird im Seedilemma (bei dem zwischen Badebedürfnis und Schutz
der am See nistenden Vögel entschieden werden soll) von Männern
und Frauen gleich häufig mit Verantwortung für die Natur
argumentiert. Frauen konstruieren die Verantwortung aber eher über
die Hilflosigkeit der Tiere und stellen eher die Analogie zu einer
Eltern- Kind-Beziehung her, Männer konstruieren die Verantwortung
eher über die menschliche Überlegenheit und sehen eine Parallele
zur Verantwortung des Staatsmanns für sein Volk. Beides sind
aber Varianten der Verantwortung, wie sie Hans Jonas konstruiert.
Die Daten stützen also nicht Gilligans These der care-Moral als
Verantwortungsmoral, sondern sprechen für unterschiedliche Nuancierungen
von Verantwortlichkeit bei den Geschlechtern.
Im Partnerschaftsdilemma (bei dem zwischen dem Engagement in einer
Menschenrechtsgruppe und der verstärkten Zuwendung zum gerade
arbeitslos gewordenen Ehepartner entschieden werden soll) ist die
Handlungsrichtung von Männern entgegen allen Erwartungen fürsorglicher
als die von Frauen, dies aber auf der Basis normativer Begründungen.
Die weniger fürsorgliche Entscheidungsrichtung der Frauen geht
mit einem starken Rekurs auf frauenrechtsbezogene Argumente einher.
Weibliche Interviewte argumentieren, dass Frauen in der Gesellschaft
stets das Nachsehen haben und deshalb ihr Engagement ebenso wenig aufgeben
sollten, wie es Männer tun würden. Geschlechtsspezifität
scheint in diesem Dilemma demnach stark von Performanzfaktoren wie
politischen Orientierungen und dem aktuellen Frauen-(selbst-)bild
abhängig zu sein. Weibliche Moral ist danach nicht als konstante
Eigenschaft zu sehen, sie unterliegt historischem Wandel. |
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Last change: 2005-03-22 13:36 |
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