Ziele des Seminars
1. Einführung
in die neuesten Forschungsansätze in der Wahlforschung mit Konzentration auf
räumliche Modelle des Wahlverhaltens (Weiterentwicklungen räumlicher Modelle
und internationaler Vergleich).
2. Herausarbeitung
des engen Zusammenhangs von Theorie und Empirie (Modellbildung).
3. Analyse
von Erklärungsfaktoren und Vergleich von Erklärungsansätzen in der Wahlforschung.
4. Analyse
des Einflusses von institutionellen Kontexten auf individuelle Verhaltenskalküle
im Wahlverhalten.
5. Einarbeitung
in die analytische Politikwissenschaft und Verständnis formaler Modelle.
Begründung
1. Weiterentwicklung
in der Wahlforschung:
-
traditionelle Perspektive: Erklärung des
Wahlverhaltens (Wahlbeteiligung, Wahlentscheidung) im nationalen Kontext
- neuere Perspektive: Analyse der Wahlfunktionen
(calculus of voting): welche Faktoren erklären unter welchen Bedingungen das
Wahlverhalten.
2. Verschiebungen der Schwerpunkte in der Wahlforschung:
- traditionell: entweder wurden primär (makro-)
soziologische Ansätze (Cleavage-Ansatz [Lipset/Rokkan], Gruppensatz
[Columbia-School, Lazarsfeld et al.], sozialpsychologische Ansätze [Ann
Arbor/Michigan-School, Campbell/ Converse/ Miller/Stokes et al.] und Rational
Choice-Ansätze [Downs u.a.] getrennt angewendet.
- In der aktuellen Wahlforschung wird zunehmend
versucht, insbesondere den sozialpsychologischen Ansatz und den Rational
Choice-Ansatz zu kombinieren.
- Die Konzentration auf die beiden
letztgenannten Ansätze in der Wahlforschung hängt mit dem Wählerwandel
zusammen. So wird die These vertreten, das langfristige Faktoren und Bindungen
an politische Parteien an Bedeutung verlieren, kurzfristige Faktoren der
Wahlentscheidung an Bedeutung gewinnen würden. Das sogenannte Issue-Voting und
die instrumentelle Orientierung der Wähler würde zunehmen.
3. Zunehmende
vergleichende Orientierung der Wahlforschung:
- Die Erkenntnis, das Wahlverhaltenskalküle in
der Summe nicht universell gleich stark sind, sondern die Wahlfunktionen
zwischen Wählerschaften innerhalb und zwischen Ländern variieren, hat zu der
Frage geführt, welche Faktoren unter welchen Bedingungen das Wahlverhalten wie
stark beeinflussen.
- Naheliegend ist in diesem Zusammenhang, nach
Kontextfaktoren zu fragen, die gruppen- oder nationenspezifisch Einfluss auf
die Entscheidungskalküle ausüben.
- Kernüberlegung ist es, das institutionelle
Variationen (Angebotsstruktur des Parteiensystems; Ausdrucksmöglichkeiten durch
das Wahlsystem) zu den zentralen Kontextfaktoren zu zählen sind.
- Institutionelle Kontextvariationen lassen sich
nur selten innerhalb eines Landes studieren. Daher ist hier, wie in vielen
anderen Fällen, der internationale Vergleich der Königsweg der
Politikwissenschaft.
Anforderungen
- Regelmäßige Teilnahme (Teilnehmerliste wird
geführt)
- Sorgfältiges Lesen der Seminarlektüre
(Reader steht zur Verfügung)
- Beteiligung an der Diskussion
- Gute Kenntnisse der englischen Sprache,
Bereitschaft und Fähigkeit zur Lektüre englischer Texte,
statistisch-methodische Kenntnisse.
- Für den Erwerb eines Teilnahme-Scheins nach
neuer B.A./Diplomstudienordnung ist das Halten eines Kurzreferats Bedingung.
- Für den Erwerb eines Seminarscheins mit
Leistungsbewertung ist das Halten eines Kurzreferats und das Anfertigen einer
schriftlichen Hausarbeit Bedingung.
- Schriftliche Hausarbeiten: Thema kann im
Rahmen des Seminarthemas nach Absprache frei gewählt werden. Seminararbeiten
sollten eine Länge zwischen 15 und 20 Seiten haben. Sie sind bis zum Ende des
Semesters einzureichen (30. September 2004).