Zurück zu Lehrveranstaltungen 

 Zurück zur Homepage Bernhard Weßels

 

 

 

Ziele des Seminars

 

1.   Einführung in die neuesten Forschungsansätze in der Wahlforschung mit Konzentration auf räumliche Modelle des Wahlverhaltens (Weiterentwicklungen räumlicher Modelle und internationaler Vergleich).

 

2.   Herausarbeitung des engen Zusammenhangs von Theorie und Empirie (Modellbildung).

 

3.   Analyse von Erklärungsfaktoren und Vergleich von Erklärungsansätzen in der Wahlforschung.

 

4.   Analyse des Einflusses von institutionellen Kontexten auf individuelle Verhaltenskalküle im Wahlverhalten.

 

5.   Einarbeitung in die analytische Politikwissenschaft und Verständnis formaler Modelle.

 

 

Begründung

 

1.   Weiterentwicklung in der Wahlforschung:

      - traditionelle Perspektive: Erklärung des Wahlverhaltens (Wahlbeteiligung, Wahlentscheidung) im nationalen Kontext

      -  neuere Perspektive: Analyse der Wahlfunktionen (calculus of voting): welche Faktoren erklären unter welchen Bedingungen das Wahlverhalten.

 

2.   Verschiebungen der Schwerpunkte in der Wahlforschung:

      -  traditionell: entweder wurden primär (makro-) soziologische Ansätze (Cleavage-Ansatz [Lipset/Rokkan], Gruppensatz [Columbia-School, Lazarsfeld et al.], sozialpsychologische Ansätze [Ann Arbor/Michigan-School, Campbell/ Converse/ Miller/Stokes et al.] und Rational Choice-Ansätze [Downs u.a.] getrennt angewendet.

      -  In der aktuellen Wahlforschung wird zunehmend versucht, insbesondere den sozialpsychologischen Ansatz und den Rational Choice-Ansatz zu kombinieren.

      -  Die Konzentration auf die beiden letztgenannten Ansätze in der Wahlforschung hängt mit dem Wählerwandel zusammen. So wird die These vertreten, das langfristige Faktoren und Bindungen an politische Parteien an Bedeutung verlieren, kurzfristige Faktoren der Wahlentscheidung an Bedeutung gewinnen würden. Das sogenannte Issue-Voting und die instrumentelle Orientierung der Wähler würde zunehmen.

 

3.   Zunehmende vergleichende Orientierung der Wahlforschung:

      -  Die Erkenntnis, das Wahlverhaltenskalküle in der Summe nicht universell gleich stark sind, sondern die Wahlfunktionen zwischen Wählerschaften innerhalb und zwischen Ländern variieren, hat zu der Frage geführt, welche Faktoren unter welchen Bedingungen das Wahlverhalten wie stark beeinflussen.

      -  Naheliegend ist in diesem Zusammenhang, nach Kontextfaktoren zu fragen, die gruppen- oder nationenspezifisch Einfluss auf die Entscheidungskalküle ausüben.

      -  Kernüberlegung ist es, das institutionelle Variationen (Angebotsstruktur des Parteiensystems; Ausdrucksmöglichkeiten durch das Wahlsystem) zu den zentralen Kontextfaktoren zu zählen sind.

      -  Institutionelle Kontextvariationen lassen sich nur selten innerhalb eines Landes studieren. Daher ist hier, wie in vielen anderen Fällen, der internationale Vergleich der Königsweg der Politikwissenschaft.

 

 

Anforderungen

 

-     Regelmäßige Teilnahme (Teilnehmerliste wird geführt)

-     Sorgfältiges Lesen der Seminarlektüre (Reader steht zur Verfügung)

-     Beteiligung an der Diskussion

-     Gute Kenntnisse der englischen Sprache, Bereitschaft und Fähigkeit zur Lektüre englischer Texte, statistisch-methodische Kenntnisse.

-     Für den Erwerb eines Teilnahme-Scheins nach neuer B.A./Diplomstudienordnung ist das Halten eines Kurzreferats Bedingung.

-     Für den Erwerb eines Seminarscheins mit Leistungsbewertung ist das Halten eines Kurzreferats und das Anfertigen einer schriftlichen Hausarbeit Bedingung.

-     Schriftliche Hausarbeiten: Thema kann im Rahmen des Seminarthemas nach Absprache frei gewählt werden. Seminararbeiten sollten eine Länge zwischen 15 und 20 Seiten haben. Sie sind bis zum Ende des Semesters einzureichen (30. September 2004).